Tohuwabohu/Hullabaloo

Projekt Tohuwabohu

Jochen Höwel arbeitet bereits seit einigen Jahren an seinem Kunstprojekt „Tohuwabohu“. Dabei ist „Tohuwabohu“ viel mehr als eine Kunstausstellung – es ist der Versuch, sich den menschlichen Abgründen, die uns Tag für Tag begegnen, künstlerisch zu nähern. Teilweise kontrovers diskutiert, wird das Projekt ständig weiterentwickelt.

Der Künstler wagt sich mit diesem Projekt an schwierige menschliche Themen, die von uns allen nur zu gern aus dem Bewusstsein ausgeblendet werden und schafft es dabei unseren Blick aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf die drängenden Fragen unserer Gesellschaft zu richten. Dazu verwendet und verändert er zu jedem Thema einen herkömmlichen Stuhl bis dieser schließlich in seiner Absurdität eine Ausstrahlungskraft hat, der sich kaum ein Betrachter emotional entziehen kann. Sei es die Hunderte von Spielzeugstühlen, die in ihrer vielzähligen Anonymität das Leid der Flüchtlinge auf ihrem Weg übers Mittelmeer symbolisieren, oder der zur texanischen Hinrichtungsliege umgebaute Stuhl, der die Frage aufwirft ob es nicht eigentlich das Merkmal einer zivilisierten Gesellschaft sein sollte, Grausamkeiten zu bestrafen ohne selbst Grausamkeiten anzuwenden.

Der Stuhl wird zu einer Art Denk-Figur, ein Sinnbild für die fehlende materielle Präsenz des ihn benutzenden Menschen, die immer – bewusst oder unterbewusst – in eben diesem Kulturobjekt Stuhl mitgesehen wird.

Ein zu einem Stuhl umgebauter herkömmlicher Einkaufswagen wird durch Goldlack fast zu einem thronähnlichen Designobjekt, welches man gerne und interessiert betrachtet – im Gegensatz zu den Obdachlosen, die ihre Habseligkeiten in solchen Einkaufswagen sammeln und die nur zu gern von uns ignoriert werden. Wer weiß schon etwas über die Sehnsüchte dieser Menschen am Rande unserer Gesellschaft, die ihre sehnlichsten Wünsche in das schwarze Büchlein geschrieben haben, das Höwel ihnen auf seinen Streifzügen durch die Innenstadtstraßen verschiedener Großstädte anvertraut hat.
Ist der Lokführer, der einen Menschen zu Tode fahren musste, vielleicht genauso „funktionsuntüchtig“ geworden wie der Stuhl, den der Künstler tatsächlich von einem Zug überrollen ließ und wieder zusammenflickte?

Viele Fragen, keine Antworten!
Aber sind Fragen im Grunde nicht wichtiger als Antworten?